Come on, coach!

Stephen Arigbau über Ademola:

„Wir hatten eine der härtesten Trainingseinheiten, an die ich mich erinnern kann – unter unserem damaligen Trainer Dirk Bauermann. Aus welchem Grund auch immer mussten wir an diesem Tag unzählige Liniensprints laufen. Es war brutal intensiv. Nach dem ersten Sprint wollten eigentlich alle nur noch, dass das Training endlich vorbei ist und wir zurück ins Hotel können.

Ademola allerdings fühlte sich von Coach Bauermann ungerecht behandelt. Nach dem ersten Sprint schaute er zum Coach und sagte nur: „Come on, Coach.“ Natürlich führte das direkt dazu, dass wir noch einen Sprint laufen mussten. Wir konnten unseren Ohren kaum trauen, als er nach dem zweiten Sprint wieder zum Trainer blickte und erneut sagte: „Come on, Coach.“

Das wiederholte sich – ich glaube vier- oder fünfmal. Jedes Mal bedeutete es für uns einen weiteren Sprint. Irgendwann haben wir ihn regelrecht angefleht, nichts mehr zu sagen. Und ich bin mir sicher: Er hätte noch weitergemacht. Nicht aus Trotz uns gegenüber – sondern weil er ein tiefes Gefühl für Gerechtigkeit hatte. Wenn Ademola das Gefühl hatte, dass etwas nicht fair lief, dann wollte er es gerade rücken. Ganz egal, wer ihm gegenüberstand. Er nahm keine Rücksicht auf Hierarchien oder Konsequenzen – es ging ihm ums Prinzip.

Genau das war Ademola für mich: unfassbar kompetitiv, mutig, unbequem, wenn es sein musste – aber immer echt. Sein Einsatz, sein Wille und seine Geradlinigkeit haben ihn zu einem besonderen Mitspieler und Menschen gemacht.

Ich bin dankbar für die gemeinsame Zeit und werde ihn immer so in Erinnerung behalten – als starken Charakter mit Herz und Haltung.“

Adenoah und ich sind Arigbabu beim BBL-Pokal-Wochenende im SAP Garden in München begegnet, mit der festlichen Auftaktveranstaltung, der BMW Night of the Legends, wo er als eine der geladenen Legenden gefeiert wurde. Als ehemaliger Teamkollege von Ademola und 166-maliger Nationalspieler hat er an fünf Europameisterschaften (1999, 2001, 2003, 2005 mit Silber, 2007) sowie an der Weltmeisterschaft 2002 teilgenommen, bei der er mit dem Team Bronze gewann.

Nach dem ersten Spieltag fanden wir uns schließlich hintereinander im Bus wieder, der uns zur Aftershow in einen Münchener Bierkrug brachte.

Foto: Jana Kolb

Als ich Stephen auf Ademola ansprach und ihn fragte, ob er Lust hätte, eine kleine Anekdote für den Blog zu teilen, veränderte sich sofort etwas. Seine Augen begannen zu leuchten und im nächsten Moment lag darin auch eine leise, fast zurückhaltende Rührung. Die Erinnerung an seinen ehemaligen Kollegen und Freund schien ihn tief zu berühren. Diese stille, nach innen gerichtete Geste voller Wärme ging auch mir nah und so hörte ich aufmerksam seiner Geschichte zu.

Danke für diesen Einblick Stephen